#4 Über den Wolken…

3. Januar 2010 at 18:34 (Kurzgeschichten, Kurzgeschichten - Liebe) (, , , )

Die Raumfahrt war noch eine sehr junge Wissenschaft, als ich mich dazu entschloss, Astronautin zu werden. Ich wollte dabei sein, bei der Weiterentwicklung der Spaceshuttles, bei der Verbesserung der Raumstation, ich wollte ins All und hatte mich lange genug in Studium und Beruf damit beschäftigt, um zu wissen, auf was ich mich gefasst machen musste.

Was hatte ich denn schon zu verlieren? Auf der Erde hielt mich nichts. Kein Mann, kein Freund, keine Kinder und auch nicht meine Eltern, die ständig nur stritten. Ich hatte die perfekten Voraussetzungen, um Astronautin zu werden: Ich war körperlich fit und gesund, intelligent, ungebunden.

Nach dem strengen Auswahlverfahren begann das harte Training. Meine Crew und ich wurden darauf vorbereitet, drei Monate lang im All zu leben, zuerst im Spaceshuttle und dann in der ganz neuen Raumstation. Mein Team war toll – zum ersten Mal seit langem fühlte ich mich wieder integriert, gut aufgehoben in meiner neuen Familie.

Und dann kam der Tag, an dem wir starten sollten. Ich war aufgeregt und freute mich darauf, mein enttäuschendes Leben auf der Erde zurückzulassen. Wenn wir heil zurückkommen würden, in drei Monaten, wäre ich eine Heldin, eine der ersten Frauen, die das Weltall erkundet hatten. Und wenn wir unsere Mission nicht erfolgreich beenden würden, irgendwo da draußen unser Leben lassen würden – tja, Schicksal. Wahrscheinlich würden wir auch dann als Helden gefeiert werden, die ihr Leben für die Wissenschaft geopfert haben.

Unsere Reise begann also und unser Captain steuerte das Spaceshuttle sicher aus der Erdatmosphäre heraus. Ich sah zu, wie die Erde, unser blauer Planet, immer kleiner wurde. Tom gesellte sich zu mir und lächelte mich aus seinem Helm heraus an. Er war nach mir der Jüngste in unserer Crew. Schon beim Training hatte er mir gut gefallen, mit seinen schwarzen Haaren und den treuherzigen braunen Augen. Vielleicht war es die fehlende Schwerkraft, vielleicht war es sein süßes Lächeln – jedenfalls verliebte ich mich in diesem Moment Hals über Kopf in ihn.

Die nächsten Wochen waren dominiert von langen Gesprächen und intensiven Blicken. Und obwohl uns eigentlich nichts daran hinderte, uns auch körperlich näher zu kommen, nachdem wir erst einmal unsere Raumanzüge abgelegt hatten, die wir für Start und Landung brauchten, taten wir nichts. Wir konzentrierten uns auf unsere Arbeit und wollten uns auch vor den anderen unsere Verliebtheit nicht anmerken lassen. Wir durften die Gruppe schließlich auch nicht durch unsere Unkonzentriertheit gefährden, also hielten wir uns zurück.

Dann kam der Tag, an dem wir wieder zurück auf die Erde sollten. Auf der einen Seite freute ich mich, Tom endlich ohne schlechtes Gewissen näherkommen zu können, aber auf der anderen Seite hatte ich unglaubliche Angst, dass die Anziehungskraft, die ich auf ihn ausübte, nur durch die fehlende Konkurrenz anderer Frauen zustande kam.

Wir hielten uns an den behandschuhten Händen, als wir wieder in die Erdatmosphäre eintraten und hielten einander immer noch, als wir sicher gelandet waren. Wir nahmen die Helme ab und ich sah Tom an und wollte ihn küssen, doch er drückte mir nur den Zeigefinger auf die Lippen und sagte, jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt. Enttäuscht wendete ich mich ab und versuchte, die Tränen zurückzuhalten, die mir unaufhaltsam in die Augen stiegen.

Es war nun an der Zeit, der jubelnden Masse entgegenzutreten. Wir schritten auf wackeligen Beinen die Gangway hinunter, unter tosendem Applaus, doch ich konnte es nicht genießen. Die Erde hatte mich wieder und damit waren auch all die alten Probleme zurückgekehrt. Dachte ich. Und dann, vor laufenden Kameras, zog Tom mich plötzlich an sich und küsste mich, küsste mich, wie ich noch nie zuvor geküsst worden war: überirdisch gut.

Advertisements

2 Kommentare

  1. loveanddeathandeverythinginbetween said,

    Trotz einiger Recherche kann es sein, dass sich ein paar inhaltliche Fehler eingeschlichen haben, was die Raumfahrt betrifft. Man möge mir das verzeihen. Für nähere Informationen kann ich aber die Homepage der NASA sehr empfehlen – sehr umfangreich und informativ: http://www.nasa.gov/

  2. susiq10 said,

    Das ist völlig wurscht – die Stimmung ist es, was die Geschichte ausmacht 🙂 – ich werd‘ mich sicher nicht durch die Nasa-Seite quälen, um Dir Fehler nachzuweisen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: