#6 Die Prinzessin und der Drache

17. Januar 2010 at 18:10 (Kurzgeschichten, Kurzgeschichten - lustig, Kurzgeschichten - Märchen) (, , )

„Schon viele standen an dieser Stelle und haben um meine Hand angehalten“, sprach die Prinzessin. „Aber bevor ich dich zum Gatten nehme, musst du eine Aufgabe erfüllen. Befreie das Land von Angst und Schrecken und töte den furchterregenden Drachen!“ Sie machte eine theatralische Pause. „Doch ich muss dich warnen“, fuhr das zauberhafte Geschöpf fort, „schon zehn redliche junge Männer sind nicht mehr von ihrer Reise zurückgekehrt…“
„Prinzessin“, antwortete der junge Edelmann, „ich werde den Drachen töten und in drei Tagen wieder zurück im Schloss sein.“ Sicheren Schrittes verließ er den Thronsaal, schwang sich auf seinen weißen Schimmel und ritt aus der Stadt.

Sein Weg führte ihn über Stock und Stein und am späten Abend erreichte er das Gebirge, in dem der schreckliche Drache in einer versteckten Höhle hauste. Als die Sonne wieder aufging und die sternenklare Nacht vertrieb, machte er sich zu Fuß an den Aufstieg in die verlassene Felsenlandschaft.
Es dauerte einige Stunden, dann hörte der mutige Kämpfer das wiederhallende Echo des Schnaufens und Fauchens des schlafenden Drachen. Bald stand er vor dem grünen gehörnten Ungetüm, das mit seinem schuppigen Körper die ganze Höhle füllte. Das Tier sog scharf die Luft ein, witterte den Menschengeruch und öffnete seine gelben, glitzernden Augen. Der tapfere Ritter zückte sein Schwert, schnellte vorwärts und rammte dem Drachen die scharfe Klinge in den Leib, noch bevor er wutentbrannt Feuer speien konnte.
Als Beweis für seinen Sieg hackte der junge Edelmann dem toten Tier den grün schillernden Schwanz ab und machte sich auf den Rückweg zur Prinzessin.

Am dritten Tag war er zurück im Schloss, legte der entzückten Prinzessin seine Trophäe vor die Füße und sagte: „Holde Maid, ich bin zurück, das Land ist befreit, der Drache tot.“
Dankbar fiel die bildhübsche junge Frau ihm um den Hals und jauchzte: „Ich wusste von Anfang an, dass du es schaffen würdest! Du sollst mein Prinz sein! Morgen wollen wir Hochzeit feiern und unsere Liebe besiegeln!“
„Meine Prinzessin, von Liebe kann nicht die Rede sein. Wahre Liebe muss sich nicht beweisen.“ Er verneigte sich, schwang sich auf seinen weißen Schimmel und ritt in ein anderes Königreich, um das Herz einer anderen Prinzessin zu erobern.

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3 Kommentare

  1. mj said,

    😀 haha, wie geil 😉 tolles ende!

    lg

  2. stella said,

    Wirklich schönes Ende 🙂

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