#7 Alles was zählt

28. Januar 2010 at 18:49 (Kurzgeschichten, Kurzgeschichten - nachdenklich, Kurzgeschichten - Verschiedenes) (, , , , )

„Na Schatz, hast du schon Pläne, was wir heute in einer Woche machen werden?“, fragte sie ihn und strich ihm liebevoll mit den Fingern durch die Haare.
„Sagen wir so“, antwortete er, „ich habe auf alle Fälle schon Pläne, was ich heute in einer Woche machen werde. Es ist der erste Donnerstag im Monat, Liebling, also was wohl? Da ist Fußball-Abend mit den Jungs angesagt!“ Ihre Hand verkrallte sich für einen kurzen Moment in seinen Haaren, bevor sie sie ruckartig zurückzog, was ihm ein wehleidiges Stöhnen entlockte.

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“, fragte sie mit einem gefährlichen Unterton in der Stimme.
„Warum sollte ich über ein ordentliches Fußball-Match mit meinen Freunden scherzen?“, tat er so, als sei er sich keiner Schuld bewusst.
„Ich glaubs einfach nicht!“ Sie knallte ihm die zusammengerollte Fernsehzeitung auf den Kopf, die sie in der Hand gehalten hatte. „Es ist unser zweiter Jahrestag, schon vergessen? Ich kann es nicht glauben, so wenig bin ich dir also wert, dass du dir nicht einmal das merken kannst…“ Zornesröte stieg in ihr Gesicht. „Vielen Dank auch.“
„Aber Mäuschen, das war doch nur ein dummer Scherz“, er versuchte, den Arm um sie zu legen und sie auf seinen Schoß zu ziehen, „natürlich weiß ich das.“ Er tippte ein paar Tasten auf seinem Handy. „Sieh mal, heute Mittag habe ich schon bei deinem Lieblingsrestaurant angerufen und einen Tisch bestellt.“ Er lächelte sie an.

Sie stieß seine versöhnliche Hand weg, die nach ihrer tastete. „So, du findest das also lustig, solche Witze zu machen“, fauchte sie ihn an, „vielleicht bist du nicht der Mann, für den ich dich gehalten habe.“ Sie packte unterdessen ihre Geldbörse und die Autoschlüssel in ihre Handtasche. „Weißt du was, ich gehe und weiß nicht, wann ich wieder komme. Und das ist kein Scherz!“ Sie knallte die Haustür hinter sich zu, so dass die Gläser in der Küchenvitrine klirrten.
Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und dann durch die zerzausten Haare. Manchmal war es anstrengend, eine so emotionale Freundin zu haben. 

Sie ließ den Motor seines Autos an, ihre Hände zitterten vor Wut. Männer. Wann würden sie lernen, nachzudenken, bevor sie den Mund öffneten? Sie stieg aufs Gas.
Krachen. Der Knall eines platzenden Airbags. Brandgeruch.
Sie kämpfte sich aus dem Auto, aus dessen Motor schon erste Flammen züngelnd empor leckten. Sie war schnurstracks in einen riesigen Laster gefahren, der nun die Ausfahrt versperrte. Ein muskelbepackter junger Mann hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Nacken und zeigte ihr den Vogel.

Jemand packte sie von hinten und zog sie hinter die niedrige Gartenmauer, drückte sie zu Boden, ehe das Auto mit einem weiteren Krachen vollends Feuer fing. Ihr Freund kauerte neben ihr und betrachtete sie besorgt.
„Liebling, was ist denn passiert?“, fragte er sanft und ohne Vorwurf, obwohl es sein ganzer Stolz auf vier Rädern war, der da vor sich hin brannte. Ihr Körper bebte vor Schluchzern, die aus ihr herausbrachen, Tränen liefen ihr über die Wangen und sie konnte nicht sprechen, nur den Kopf schütteln.
Er legte den Arm um sie und zog sie an sich. „Schhh, ganz ruhig, ich bin ja da. Du bist am Leben, wir sind zusammen und das ist alles was zählt.“

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