#16 Vorsicht: Verliebte Teenager

11. April 2010 at 21:01 (Kurzgeschichten, Kurzgeschichten - Liebe, Kurzgeschichten - lustig) (, , , , , )

Nichts ist anstrengender, als ein verliebter Teenager zu sein. All diese Hormone, die dein Blut zum Kochen und dein Herz zum Schneller-Schlagen bringen… Ein aufregendes Gefühl, natürlich, und einfach nur wunderbar, auf einer rosaroten Wolke dahinzuschweben, sobald du deinen Schatz nur von Ferne siehst. Aber wahnsinnig nervtötend, wenn du dich eigentlich konzentrieren solltest.

Bis jetzt war meine Welt in Ordnung: Lehrer waren langweilig und alt, so wie es sich gehörte. Besonders die Mathematik-Lehrer.
Am dritten Schultag also der Schock, als der neue Mathe-Lehrer das Klassenzimmer betrat. Nummer eins: Er war jung. Nummer zwei: Er sah unverschämt gut aus! So etwas musste doch verboten werden, da konnte sich doch niemand auf rechte Winkel, Gleichungen mit zwei Unbekannten und das Berechnen von Geschwindigkeiten konzentrieren. Sondern nur auf den Winkel, in dem er seinen Kopf neigte, wenn er sprach, die Unbekanntheit dieses Gefühls, wenn seine Augen dich streiften und die Geschwindigkeit mit der dein Herz schlug.

Bis zur vierten Klasse hatte ich ausgezeichnete Noten in Mathematik. Ich war eine der Wenigen, die wirklich verstand, was sie da berechnete und wozu das gut war. In der fünften Klasse sackten meine Noten plötzlich ab. Niemand verstand, was mit mir los war – und das war vermutlich auch besser so. Die Schuld wurde auf eine pubertäre Rebellionsphase geschoben.
Nachdem ich mein erstes „Nicht genügend“ auf eine Mathe-Schularbeit kassiert hatte, rief mich Herr Wessel (in meinen Gedanken nannte ich ihn bei seinem Vornamen, Robert), zu sich. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals und meine Knie waren weich wie Pudding, als ich zum Lehrerpult ging, während meine Klassenkameraden nach Hause eilten. Würde mich der schöne Robert jetzt vielleicht küssen?
Fehlanzeige. Er machte sich Sorgen um meine Leistungen und schlug mir vor, bei seinem kleinen Bruder Nachhilfe zu nehmen. Aah, endlich, ein Wink mit dem Zaunpfahl! Er lud mich also unter einem Vorwand zu sich nach Hause ein. Ich hüpfte trotz der erdrückenden Last des Mathe-Hefts mit dem „Nicht genügend“ in meinem Rucksack vergnügt zum Schulbus. Es hatte sich also doch bezahlt gemacht, dass ich statt der Tafel Roberts Hände beim Schreiben und Zeichnen und statt seiner Worte sein attraktives Gesicht studiert hatte.

Nachdem Robert sicherheitshalber mit seinem Bruder geredet hatte, ob er überhaupt Zeit hätte, Nachhilfe zu geben, rief er mich am nächsten Tag wieder zu sich. Er verbrachte eindeutig gerne Zeit mit mir alleine. Er reichte mir einen Zettel mit einer Adresse.
„Hier wohnen meine Eltern und mein Bruder“, erklärte er. „Und das ist die Telefonnummer“, sagte er, während sein Finger unter der Zahlenkolonne entlangwanderte. „Frag einfach nach Alex, dann könnt ihr einen Termin ausmachen.“
Ich biss mir auf die Lippe und versuchte, meine Enttäuschung hinunterzuschlucken. Ich durfte ihn also doch nicht bei sich zu Hause besuchen? Ich trabte mit hängendem Kopf zum Schulbus.

Ich war gegenüber Roberts Bruder wohl nicht besonders freundlich, am Telefon. Ich konnte noch nicht fassen, dass Robert mir derartige falsche Hoffnungen gemacht hatte. Ich hatte gedacht, ich dürfte ihn in seinen eigenen vier Wänden besuchen, damit wir einmal in Ruhe reden könnten… Meine Stimmung besserte sich erst wieder, als Alex mir die Tür öffnete: Vor mir stand das perfekte Abbild Roberts, nur einige Jahre jünger und mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen.

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2 Kommentare

  1. verliebt sein said,

    Eine super Geschichte, könnte richtig mitfühlen. In dem Alter war man eben noch etwas naiv. Aber schön dass es doch irgendwie ein Happy End gab, ich hoffe auch die Mathenoten haben sich wieder verbessert.
    Auch ein sehr schöner Blog.

    • loveanddeathandeverythinginbetween said,

      Danke =) Ja, die erste Liebe ist etwas ganz Besonderes – da dachte ich mir, ich müsste ihr eine eigene Geschichte widmen, die die Höhen und Tiefen des Verliebtseins ein kleines bisschen wiederspiegeln kann 😉

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