#53 Fünfzig Facetten von…

2. Februar 2013 at 16:45 (Kurzgeschichten, Kurzgeschichten - Liebe, Kurzgeschichten - lustig) (, , , , )

Eine satirische Kurzgeschichte, inspiriert von Fifty Shades of Grey.

Ich lag am Boden, keuchend und nach Luft ringend, während sich mein Körper vor Schmerzen krümmte. Jede einzelne Muskelfaser in meinem Körper schrie nach Erbarmen, nach Erlösung. Ich war kurz davor in befreiende Bewusstlosigkeit zu entschwinden, mich wegzuträumen in eine Welt ohne Zähne-zusammenbeißen-um-nicht-schreien-zu-müssen.

Aber er war noch nicht fertig mit mir, das fühlte ich, ohne auch nur einen Blick mit ihm zu wechseln. Ich hob dennoch flehend meinen Blick vom Boden und suchte seine kalten, grauen Augen. Meine Blicke irrten ruhelos über seinen perfekt modellierten Körper, liebkosten seine muskulösen Waden, die trainierten Oberschenkel, den strammen Bauch, die vor Kraft strotzenden Oberarme… Und als ich in die Tiefen seiner kühlen Augen eintauchte, wurde mir bewusst, dass er wohl selbst schon intensive Schmerzen ertragen haben musste, um mir nun dasselbe ohne einen Anflug von Mitleid zufügen zu können.

Seine Mundwinkel zuckten, als er mich, die ich hilflos zu seinen Füßen ausgestreckt dalag, mit einem unterdrückten Lächeln neckte: „Na, schon so erschöpft? Ich glaube, du kannst mir noch viel mehr geben, wenn du dich nur ein bisschen mehr anstrengst!“
Wenn es gesellschaftlich akzeptiert wäre, hätte er mir an dieser Stelle sicher einen Tritt in die Rippen versetzt, um mich zum Weitermachen zu bewegen.

Warum tat ich mir diese Tortur überhaupt an?, fragte ich mich, während ich versuchte, meine kraftlosen Glieder zu kontrollieren. Ich war frei, meine Sachen zu packen und zu gehen, wann immer ich es wollte – und wann immer ich es schaffte, den Bann zu durchbrechen, den er auf mich gelegt hatte, als ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Irgendetwas tief in meinem Inneren rebellierte, wenn ich ans Aufhören dachte. Das hier war mein einziger Weg, ihm nahe zu sein, diesem Adonis mit den kalten, grauen Augen – dafür war ich sogar bereit, teuer zu bezahlen, auch wenn er vermutlich hinter meinem Rücken über mich und meine Ungeübtheit in dieser Disziplin, in der er Meister war, lachte.

Schlussendlich brach ich doch zusammen. Schweißüberströmt und schon wieder am Boden auf meiner Turnmatte liegend, riefen sich mir zumindest noch meine guten Manieren in Erinnerung und ich bedankte mich artig bei meinem persönlichen Trainer für die anstrengende Einheit, bevor ich wenig später zitternd den Ort des Grauens, auch Fitnessstudio genannt, verließ.

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